Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) basiert auf den Prinzipien des fließenden Qi (der Lebensenergie) und von Yin und Yang sowie auf der Lehre der fünf Elemente (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser) der klassischen chinesischen Philosophie.

Die Theorien der TCM sind vor über 2000 Jahren entstanden und stellen ein gut etabliertes System aus Wissen und praktischer Erfahrung dar, in dem über Jahrhunderte gesammelte empirische Beobachtungen verknüpft worden sind.

Die TCM nimmt wegen des ganzheitlichen Ansatzes und des prophylaktischen Behandlungskonzeptes einen wesentlichen Platz in der Ergänzung und Erweiterung der westlichen Medizin bei z. B. chronischen Krankheiten ein.

Gesundheit wird in der TCM als ein Zustand von innerer und äußerer Harmonie beschrieben:

  • Innen ein ausgewogenes Zusammenspiel aller Organsysteme und Grundsubstanzen.
  • Außen ein Leben im Einklang mit den Schöpfungskräften.

Somit entwickelt sich eine Krankheit immer als Folge einer Störung dieser Gleichgewichte.

Die chinesische Medizin lässt sich nur verstehen, wenn man die Gesetzmäßigkeiten von Yin und Yang und die Fünf Wandlungsphasen verstanden hat. Auch das Wissen über die Funktionskreisläufe und die Leitbahnen (Meridiane) mit ihrer Physiologie und ihren pathologischen Entgleisungen einschließlich des Wissens über die 361 klassischen Akupunkturpunkte mit ihrer Lage, Wirkung und Indikation ist eine Voraussetzung.

Ziel einer Akupunkturbehandlung ist es, den Qi-Fluss zu erreichen und zu modulieren, indem Blockaden des Qi-Flusses gelöst, der Qi-Fluss gekräftigt und krankhaftes Qi aus dem Körper ausgeleitet wird.


Die westliche Medizin und die Traditionelle Chinesische Medizin

 Die besondere Art der Diagnostik und die chinesische Syndromdifferenzierung eröffnen ausgezeichnete Behandlungsmöglichkeiten für viele Funktions- und Befindlichkeitsstörungen, die von der westlichen Medizin derzeit nur unzureichend therapierbar sind, z.B. vegetative Dystonie, Reizdarmsyndrom etc. Die Akupunktur leistet auch als unterstützende Therapieform in der Tumor- und Palliativtherapie wertvolle Dienste, indem der Schmerzmittelverbrauch und die unerwünschten Nebenwirkungen von Medikamenten, z. B. zytostatikainduzierte Übelkeit, reduziert werden.

Ein großer Prozentsatz der Bundesbürger fühlt sich nicht gesund. Die Patienten haben unklare Beschwerden wie Unwohlsein, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schwindel, Erschöpfungszustände, Wetterfühligkeit, Kopfschmerzen und vieles mehr.

Jede siebte Krankschreibung durch einen Arzt beinhaltet den Symptomkomplex Rückenschmerzen. Nur bei einem kleinen Teil der Patienten kann eine klar messbare Diagnose gestellt werden. Die Patienten jedoch, die nicht richtig krank sind und nur Befindlichkeitsstörungen zeigen, werden unverstanden und unbehandelt den Arzt wieder verlassen.

Ein weiteres Problem ist, dass ca. zehn Prozent der Bundesbürger chronisch krank sind, d. h. die Patienten haben eine anerkannte Krankheit, die aber die westliche Medizin lediglich zu lindern vermag. Beispiele hierfür sind Asthmatiker, Diabetiker, Rheumatiker oder die steigende Zahl der Allergiker.

In der westlichen Medizin richtet sich alles seit über hundert Jahren nach den Naturwissenschaften – Stichwort Messbarkeit bzw. „evidence based medicine“. Hierbei steht nicht das Befinden des Patienten im Mittelpunkt, sondern der Befund. Daraus entsteht eine organbezogene Betrachtungsweise, die einen pathologischen Befund mit vielen Daten verlangt. Patienten, die keine pathologischen Befunde liefern wie z. B. pathologische Blutwerte, ein pathologisches MRT etc. und die lediglich über Befindlichkeitsstörungen wie Nervosität, Reizbarkeit, Hitze- und Kälteempfindlichkeit, Depressionen, Niedergeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Schmerzen oder Infektanfälligkeiten klagen, haben in diesem Diagnostikschema keinen Platz.

Die Traditionelle Chinesische Medizin beschreibt seit mehreren tausend Jahren den Menschen als Teil eines kosmischen, energetischen Wirkgefüges. Sie basiert auf einer energetischen Betrachtung des Menschen im Gegensatz zur somatischen, organbezogenen westlichen Medizin. In der Traditionellen Chinesischen Medizin steht die Erkennung und Betrachtung von Lebensfunktionen im Vordergrund des Interesses. Voraussetzung hierfür ist das Verstehen folgender energetischer Grundbegriffe:

  • Yin und Yang
  • Qi
  • Xue
  • Fünf Wandlungsphasen

 

YIN und YANG

Das Konzept Yin und Yang und das Konzept von Qi hat die chinesische Philosophie über die Jahrhunderte durchdrungen und unterscheidet sich grundlegend von jeglichen westlichen philosophischen Ideen.

Die chinesischen Zeichen für Yin und Yang beschreiben das Bild eines Hügels mit einer Schattenseite und einer Sonnenseite.

 Yin       bedeutet: Hügel, Wolke

Yang    bedeutet: Sonne, Sonne über dem Horizont, Lichtstrahlen

Das Zeichen Yin steht für die schattige und das Zeichen Yang für die sonnige Seite eines Hügels.

Beispiele für Yin und Yang

Yin Yang
  • Dunkelheit
  • Mond
  • Nacht
  • Schatten
  • Ruhe
  • Unten
  • Kalt
  • Weiblich
  • Erde
  • Flach
  • Raum
  • Westen
  • Norden
  • Rechts
  • Licht
  • Sonne
  • Tag
  • Helligkeit
  • Aktivität
  • Oben
  • Warm
  • Männlich
  • Himmel
  • Rund
  • Zeit
  • Osten
  • Süden
  • Links

Von diesem Standpunkt aus betrachtet stehen Yin und Yang in einem ewigen Wechselspiel, zwischen zwei gegensätzlichen Zeitstadien. Das Prinzip von Yin und Yang ist die treibende Kraft für sich abwechselnde zyklische Bewegungen im Universum: Der Tag verwandelt sich in die Nacht und der Sommer in den Winter etc. Die Entwicklung der Phänomene des Universums ist das Ergebnis eines Wechselspiels zwischen zwei gegensätzlichen Stadien, die durch Yin und Yang zum Ausdruck gebracht werden. Jedes Phänomen für sich beinhaltet beide Aspekte in unterschiedlichen Ausprägungsgraden. Yin und Yang sind Gegensätze, die doch voneinander abhängig sind, d. h. das eine kann nicht ohne das andere existieren. Beispielsweise kann der Tag nur nach der Nacht kommen und umgekehrt, es gibt keine Aktivität ohne Ruhe, keine Energie ohne Materie etc.

Gesundheit bedeutet, dass sich der Mensch in einem ständigen dynamischen Wandel befindet und dabei ein harmonisches Gleichgewicht von Yin und Yang bewahrt. Jedem Krankheitsbild, das in der TCM als Syndrom bezeichnet wird, liegt ein Ungleichgewicht von Yin und Yang meist auf verschiedenen Ebenen zugrunde. Die Aufgabe ist es, die Störungen zu erkennen und durch gezielte Reize dem Organismus zur Wiederherstellung der Harmonie zu verhelfen. In der Traditionellen Chinesischen Medizin kann die gesamte Physiologie, Pathologie, Diagnose und Behandlung mit den Prozessen von Yin und Yang beschrieben werden, so dass man sagen könnte, es gebe keine Traditionelle Chinesische Medizin ohne Yin und Yang.

 QI

Das Konzept des Qi beschreibt in der Chinesischen Medizin zwei Mechanismen. Der eine Mechanismus ist die verfeinerte Energie, die von den inneren Organen produziert wird und die Funktion hat, den Körper und den Geist zu nähren. Diese Energie kann unterschiedliche Formen annehmen, was abhängig ist von Lokalisation und Funktion. So gibt es beispielsweise das Sammel-Qi, welches im Thorax sitzt und das Herz und die Lunge nährt. Im unteren Erwärmer ist das Ursprungs-Qi lokalisiert und nährt die Nieren.

 Der zweite Mechanismus des Qi beschreibt die funktionelle Aktivität der inneren Organe. Spricht man zum Beispiel von Milz-Qi, meint man nicht den gesamten Anteil von Qi, der in der Milz vorhanden ist, sondern die funktionellen Aktivitäten der Milz, dass sie einen reibungslosen Qi-Fluss hat. So spricht man in der Traditionellen Chinesischen Medizin von Milz-Qi, Lungen-Qi, Leber-Qi, Herz-Qi, Nieren-Qi usw. In der Traditionellen Chinesischen Medizin werden darüber hinaus verschiedene Arten von Körper-Qi beschrieben. So gibt es das sogenannte Ursprungs-Qi, das von Anfang an im Körper vorhanden ist, und das Qi, das neu produziert wird bzw. über die Atmung und Nahrung aufgenommen wird.

 

Mögliche pathologische Qi-Formen sind:

Qi-Mangel

Ein Qi-Mangel kann sich in einer allgemeinen Adynamie oder in Blässe und Kurzatmigkeit zeigen, wobei Belastung zu einer Verschlechterung führen kann. In den Funktionskreisen kann sich ein Qi-Mangel in Form einer Funktionsschwäche äußern, z. B. können die Patienten bei einem Nieren-Qi-Mangel LWS-Beschwerden, Kältegefühle, Schwerhörigkeit und Inkontinenz haben. Ein Milz-Qi-Mangel kann sich z. B. in breiigen Stühlen, Müdigkeit und kraftlosen Extremitäten äußern.

Qi-Stagnation

Hierbei ist der freie Qi-Fluss gestört, der in den Leitbahnen zu Schmerzen und in den inneren Organen zu Funktionsstörungen führen kann. Eine fortlaufende Qi-Stagnation kann dann zur Blut-Stase führen.

Rebellierendes Qi

Hierbei läuft der Qi-Fluss in die falsche Richtung und kann z. B. Symptome wie Husten auslösen wie beim rebellierenden Lungen-Qi oder Aufstoßen und Erbrechen beim aufsteigenden Magen-Qi.

Ziel der Therapie ist es, das Qi so zu beeinflussen, dass die Harmonie und das Gleichgewicht von Yin und Yang wiederhergestellt werden.

Xue (Blut)

In der Chinesischen Medizin hat Blut eine andere Bedeutung als in der westlichen Medizin. Blut wird hier als eine Form von Qi betrachtet und ist untrennbar mit diesem verbunden, da das Qi dem Blut den Lebensgeist einflößt. Ohne das Qi könnte das Blut sich nicht richtig bewegen und wäre nur eine träge Flüssigkeit. Die Hauptaufgabe des Blutes ist es, die Ernährung des Körpers aufrecht zu erhalten. Das Qi fließt in dieser Form durch den ganzen Körper. Das Blut ist auch dafür verantwortlich, dass die Körpergewebe nicht austrocknen. So befeuchtet das Leber-Blut die Augen, Sehnen, Haut und Haare. Das Herz-Blut wiederum befeuchtet die Zunge. Weiterhin liefert das Blut die materielle Grundlage für den Geist, der hier beherbergt und verankert ist.

 

Mögliche pathologische Blutformen sind:

Blutmangel

Blutmangel besteht meist aufgrund einer Bildungsstörung. Fehlt dem Geist die Grundlage Blut, wird er unglücklich oder unruhig, leicht reizbar und äußert sich in Unzufriedenheit. Im Schlaf umspannt das Blut den Geist und die Wanderseele. Bei einem Blutmangel wiederum werden der Geist und die Wanderseele umhergetrieben, sodass man nicht schlafen kann oder viel träumt.

Blutstase

Beschreibt den Zustand der Verlangsamung oder das Anhalten des Blut-Flusses und eine Störung der Mikrozirkulation. Die häufigsten Symptome sind heftige, fixierte Schmerzen, druckdolente Schwellungen, Hautveränderungen, Hämorrhagien mit dunklem klumpigem Blut, Zunge mit gestauten Zungenvenen.

Hitze- und Kältesyndrome

Beide Formen können auf der Blutebene ablaufen und bringen Symptome hervor wie Aphthen, lokale Hyperämie, helle Blutungen, Juckreiz etc.

 

Die Fünf Elemente in der Chinesischen Medizin

Die Lehre der Fünf Elemente und das Konzept von Yin und Yang bilden gemeinsam die Grundlage der chinesischen Medizin. Die Fünf Elemente setzen sich zusammen aus Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Die Theorie der Fünf Elemente ist bei der Diagnostik eine große Hilfe. Sie bietet z. B. eine Möglichkeit, pathologische Beziehungsmuster zwischen den inneren Organen zu erkennen. Das Ziel der Fünf Elemente ist es, Kontroll-Sequenzen zu bewahren und ein dynamisches Gleichgewicht zu erhalten. Es ist eine Möglichkeit, alle Phänomene und deren Wechselbewegungen in einem System darzustellen. Jedes der Fünf Elemente besitzt eigene charakteristische Qualitäten und steht wiederum in Beziehung mit den anderen Elementen.

 

Holz Feuer Erde Metall Wasser
Jahreszeit Frühling Sommer Spätsommer Herbst Winter
Himmelsrichtung Osten Süden Mitte Westen Norden
Farben Grün Rot Gelb Weiß Schwarz
Laute Schreien Lachen Singen Weinen Stöhnen
Klima Zustand Wind Hitze Feuchtigkeit Trockenheit Kälte
Geruch Ranzig Verbrannt Wohlriechend Faulig Modrig
Geschmack Sauer Bitter Süß Scharf Salzig
Emotionen Zorn Freude Grübeln Sorgen/Traurigkeit Angst
Gewebearten Sehnen Blutgefäße Muskulatur Haut Knochen
Sinnesorgane Augen Zunge Mund/Lippen Nase Ohren
Yin-Organe Leber Herz Milz Lunge Niere
Yang-Organe Gallenblase Dünndarm Magen Dickdarm Blase

Die Welt setzt sich aus fünf Elementen zusammen:

Erde, Luft, Feuer, Wasser und Äther

So auch unser Körper.

Es ist etwas wie eine Welt im Kleinen. Daher müssen alle diese Elemente im Körper

im richtigen Verhältnis vertreten sein – Reine Erde, reines Wasser, reines Feuer oder

Sonnenlicht, reine Luft und freier Raum.

                                                                                                (Mahatma Gandhi 1869-1948)

Das Leitbahnen-System der Meridiane

In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der menschliche Körper mit einem inneren und äußeren Netzwerk von Energie-Leitbahnen durchzogen.

 

Das Leitbahnensystem setzt sich zusammen aus:

  • Zwölf Hauptleitbahnen, die symmetrisch auf dem Körper austreten
  • Acht unpaarigen Leitbahnen
  • Fünfzehn Netzleitbahnen
  • Den Netzbahnzweigen
  • Netzbahnen der dritten Generation
  • Zwölf Muskelleitbahnen
  • Den Hautregionen

 

In diesen Leitbahnsystemen fließt das Qi und das Blut, damit alle Bereiche des Körpers versorgt werden. Jedes Körperorgan hat seine eigene Leitbahn, wodurch eine Kommunikation der inneren Organe möglich ist. Die Leitbahnen stellen auch die Verbindung zwischen der Körperoberfläche und den Viszeralorganen sowie zwischen der oberen und der unteren Körperhälfte her.

Kein Heilungsversprechen: Grundsätzlich soll bei keiner meiner aufgeführten Therapiemöglichkeiten der Eindruck entstehen, dass diesen ein Heilungsversprechen zugrunde liegt oder ich eine Linderung bzw. Besserung eines Krankheitszustandes garantieren oder versprechen kann.


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